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Entscheidungen treffen - gezwungener Maßen oder nicht - gehört zum menschlichen Leben. Weil niemand endgültige Sicherheiten besitzt, befindet sich jeder Mensch - auch öfters im Verlauf seines Lebens - am Scheideweg.
Wer aber mit einer Beeinträchtigung an solch einem Scheideweg steht, benötigt gegenüber anderen Menschen wirklich nur eine einzige Gewissheit: trotz der Benachteiligung voll und ganz in der Lage zu sein, die eigenen Entscheidungen treffen zu können.
Das ist die Philosophie des "Selbstständigen Lebens": unabhängig sein bei den großen und kleinen Entscheidungen im täglichen Leben. Ist das möglich? Wenn wir nicht daran glauben würden und dies nicht schon ausprobiert hätten, hätten wird dieses Handbuch nicht geschrieben.
Der gesamte Bereich der Rehabilitation und auch die Zivilgesellschaft hat in den vergangenen Jahren eine rasche Entwicklung miterlebt, durchdrungen von bedeutenden Fortschritten in der Wissenschaft und vor allem in der Kultur, die uns ermutigen, diesen Weg weiterzugehen - trotz unvermeidlicher Widersprüche und Schwierigkeiten. Die Entwicklung und Verfeinerung der Rehabilitationstechniken, die Perfektionierung der Prothesen und die Verbreitung neuer Hilfsmittel in letzter Zeit (man denke nur an die Chancen durch die Informatik), die einer Person mit Beeinträchtigung Möglichkeiten eröffnen, die vor kurzem noch nvorstellbar waren, der Durchbruch - wenn auch mit vielen Widerständen - von Konzepten wie "Zugänglichkeit" und "für alle": das sind sichtbare Zeichen einer neuen Mentalität, die zunehmend konkreter werden. Diese Entwicklung erlaubt es, dass jede Person mit Beeinträchtigung oder mit einem besonderen Bedürfnis über Mittel verfügt, um vollständig in die Gesellschaft integriert zu werden, eigenständig zu leben und einen aktiven Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können. Die Menschen mit Beeinträchtigung sollten so weit als möglich selbst die wichtigsten Helfer für die eigene Rehabilitation und Eingliederung in die Gesellschaft sein.
Diese Konzepte zu verbreiten und zu verwurzeln kann nicht nur Aufgabe von Gesetzen sein. Heute gibt es viele gute davon, vor allem in Südtirol, und in diesem Handbuch wird darüber geschrieben (mit dem Hinweis auf ihre laufende Weiterentwicklung). Was am meisten zählt, ist der kulturelle Wandel, die Schärfung des Bewusstseins. Nur das verbreitete Bewusstsein wird aus einer Regel für die zivile Kultur eine allgemeine Überzeugung machen.
Sobald wir verstehen, dass eine Ortschaft, die für alle gedacht und geplant ist, nicht nur ein Ort ist, wo man sich im Rollstuhl fortbewegen kann, sondern ein sicherer, weniger chaotischer und auch ein schöner Ort sein soll; oder sobald wir verstehen, dass in die persönliche Eigenständigkeit aller BürgerInnen heute zu investieren bedeutet, morgen im Gesundheitswesen einsparen zu können und dabei eine wirklich aktive Ressource für die Gesellschaft zu gewinnen, nur dann können wir behaupten, dass wir - und zwar alle - "anders" geworden sind. Denn die Verschiedenheit von wenigen ist zur Normalität für alle geworden und erstere zählt am Scheideweg weniger. Für sich eine neue Eigenständigkeit zu planen, ist der erste Schritt: wir zeigen, dass wir recht haben!